Warum Irren normal ist und Fehler wichtig sind

Warum Irren normal ist und Fehler wichtig sind

Dr. Henning Beck, Neurobiologe, sprach auf der Learntec 2018 als Keynote-Speaker und erklärt, weshalb Fehler gar nicht vermieden werden können und sogar sehr wichtig sind. In der Zeitschrift „Wirtschaft + Weiterbildung“, Ausgabe 03/2018, haben wir den Artikel dazu gelesen und auf Facebook live darüber berichtet. Schau‘ Dir doch gleich das Video an:

Es gibt keine Urangst für Fehler

Das Gehirn hat keine Angst, Fehler zu machen. Die Angst entsteht erst aus der Erziehung, denn für die Menschheit ist es sogar wichtig, sich zu irren und etwas falsch zu machen. Nur durch falsches Verhalten ist es möglich, sich immer wieder an die sich ändernde Umwelt anzupassen. Und so passieren selbst bei ganz einfachen und sich ständig wiederholenden Tätigkeiten Flüchtigkeitsfehler. Das Gehirn ist eben kein Automat, der Prozesse immer wieder abspult.

Im Gegenteil, im Gehirn gibt es ständig unterschiedliche und konkurrierende Handlungsmuster. Ein erfolgreiches Muster kann zwar dominieren, doch früher oder später hat es einen Aussetzer und dann kommt ein anderes Handlungsmuster zum Vorschein. Ein Fehler ist passiert. Wichtig ist, aus diesen Fehlern zu lernen. Das heißt, der Mensch muss Feedback erhalten und sein Verhalten entsprechend anpassen. Dabei darf die Kritik jedoch nicht zu einer persönlichen Niederlage führen, so Beck.

Fehler haben Potenzial für Verbesserung

Viele Erfindungen beruhen auf Fehlern, die gemacht wurden. So wurde beispielsweise auch das Penicillin entdeckt, weil einem Forscher ein Missgeschick passierte. Er ließ versehentlich eine Bakterienkultur verschimmeln. Als er sich dieses Unglück genauer ansah, entdeckte er schließlich das so wertvolle Medikament.

„Wer Angst hat, eine falsche Entscheidung zu treffen, der wird niemals die richtige Entscheidung finden.“
(Dr. Henning Beck)

Genauso wird neues Wissen aufgebaut. So ist es am besten, wenn Lernende selbst die Erfahrung zu Lehrstoff machen, als diesen nur im Vortrag vermittelt zu bekommen. Beck sagt, gute Wissensvermittlung ist deshalb wie ein Weihnachtsgeschenk. Die Lehrkraft muss hierfür eine passende Frage stellen, die Lösung darauf jedoch als verpacktes Geschenk übergeben. Im Anschluss probieren die Lernenden verschiedene Lösungsansätze aus. Dabei machen sie Fehler, bis sie schließlich auf die passende Lösung kommen. Nun muss diese nur noch klar und robust mitgeteilt und durch Übungen gefestigt werden.

Lerntypen gibt es nicht

Zu welchem Lerntyp zählst Du Dich? Das weißt Du nicht? Dann brauchst Du Dir jetzt auch keine Gedanken mehr darüber machen. Denn Beck sagt, Lerntypen sind wissenschaftlich nicht bestätigt und stellen lediglich eine unzulässige Vereinfachung der Abläufe im Gehirn dar. Ganz unabhängig vom bevorzugten Lernkanal sollen Lernende immer möglichst viele Sinne aktivieren, um wirklich nachhaltig lernen zu können. Denn „wir sind in erster Linie der Alles-und-überall-Lerntyp“, so Beck.

Wer also liest, das Gelernte aufsagt, aufschreibt, Schaubilder dazu erstellt, es anderen Menschen verständlich erklärt und nach Möglichkeit auch selbst praktiziert, vielleicht sogar durch den Geschmacks- und Geruchssinn über unterstützende Nahrung und Düfte verknüpft, wird wesentlich höhere Lernerfolge aufweisen. Gleichzeitig sind die Pausen beim Lernen wichtig. Gerade der Schlaf ist notwendig, um die aufgenommenen Informationen zu verarbeiten und so zu Wissen umzuformen.

visuelles Brainstorming

Rückschlüsse auf das e-Learning

Viele Unternehmen setzen heute auf e-Learning, weil sie hoffen, damit Geld und Zeit zu sparen. Die Mitarbeiter müssen nicht reisen und können bequem von zu Hause aus lernen. Das ist auch gut so. Doch Beck weist darauf hin, dass die besten Lernergebnisse erzielt werden, wenn mehrere Menschen am Lernen beteiligt sind. Daher sind virtuelle Klassenzimmer und Konferenzschaltungen WBT’s vorzuziehen.

Zudem muss beachtet werden, dass Menschen mit neuen Medien nicht schneller lernen und mehr behalten. Dies ist ein Irrglaube. Denn die meisten lernen, wenn sie alleine dasitzen, zu viel auf einmal, ohne Pause zu machen. Sie wollen vielleicht schnell fertig werden oder besonders fleißig wirken. Doch irgendwann kann das Gehirn die Informationen nicht mehr verarbeiten, weil es zu viel ist, und wirft deshalb einiges wieder weg.

Deshalb ist ein pulsierendes Lernen besser. Bei diesem wird in kurzen Phasen schnell und intensiv gelernt. Dieser Phase schließt sich eine Pause zur Verarbeitung der Informationen an. Daraufhin kann auf einem höheren Niveau weitergelernt werden. Wird nun das Gelernte zusätzlich in andere Zusammenhänge gestellt und muss es reflektiert werden, kann der Lernerfolg noch erhöht werden.

Wissen ist nicht gleich Können,

betont André Fritsch, Geschäftsführer der Fritsch Akademie GmbH, in seinen Seminaren immer wieder. Denn viele Menschen lernen viel, bauen viel Detailwissen auf, können dieses jedoch nicht in der Praxis anwenden. Deshalb muss nach dem Wissensaufbau die Anwendung in der Praxis erfolgen. In einer guten Schulung – ob als e-Learning oder Präsenzschulung – müssen daher unbedingt Übungen vorhanden sein, die dies ermöglichen.

Wie lernst Du am besten und welche Einstellung hast Du zum Thema Fehler? Schreibe doch Deine Meinung in einen Kommentar.

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