Nein, ich beginne nicht mit dem Team, ich beginne mit der Führungskraft!

Neue Gewohnheiten aneignen - Fritsch Akademie

Dieser Satz hat mir schon ein paar, wenn auch wenige, Aufträge vermiest. Und das ist auch gut so!

Denn wussten Sie, dass eine Verhaltensänderung ca. 21 bis 66 Tage Übung am Stück benötigt um zu einer neuen Gewohnheit zu werden? Die tatsächliche Dauer hängt dabei von der Komplexität der neuen Gewohnheit ab.

Laut einer neuesten Studie der Texas A&M University und der Michigan State University werden 50% aller Entscheidungen im Alltag auf Basis von Gewohnheiten getroffen. Denn diese sind vom Aufwand her deutlich kraftsparender. Und der menschliche Überlebenstrieb teilt seine Kräfte wohlüberlegt ein.

Doch was haben Gewohnheiten damit zu tun, dass ich mit Führungskräften beginne?

Ganz einfach: Ein Workshop, ein Training, sollte zu einer Verhaltensänderung führen. Ansonsten macht es keinen Sinn, Geld und Zeit zu investieren, wenn alles exakt so bleiben soll, wie vor dem Workshop. Ganz automatisch müssen für ein nachhaltiges Lernen somit 2 Dinge geschehen:

  1. Eine neue Gewohnheit muss antrainiert werden.
  2. Eine alte Gewohnheit muss abgelegt werden.

Und das dauert 21 bis 66 Tage.

Doch die wenigsten Unternehmen kaufen einen externen Trainer für 21 bis 66 Tage am Stück ein, der dann jeden einzelnen Mitarbeiter, der in einem Training war, jeden einzelnen Tag begleitet!

Aber wer sichert dann die Nachhaltigkeit?

Wer kann es Mitarbeitern krumm nehmen, dass sie gerade unter Zeitdruck wieder in das ihnen bekannte Verhalten zurück verfallen, wenn die Begleitung ausbleibt?! Und meist merken sie es noch nicht einmal.

Verstehen Sie mich richtig: Ich bin ein großer Fan von der Eigenverantwortung erwachsener Menschen – also auch der von Mitarbeitern. Jedoch sehe ich es auch als Aufgabe der Führungskraft, für die Nachhaltigkeit in der Entwicklung und in Prozessen zu sorgen.

Was ist dann die Aufgabe eines Business-Trainers?

Die Aufgabe eines Trainers ist es, Wissen in Können zu verwandeln. Dafür hat er im Business-Kontext meist 1-4 Tage Zeit. In dieser Zeit ist es Aufgabe des Trainers Ansätze, Inhalte, Ideen, Methoden, Philosophien so zu vermitteln, dass die Teilnehmer den Mehrwert darin sehen können. Es ist seine Aufgabe, Experimentierfreudigkeit zu wecken, ein Wissensfundament zu stabilisieren, Transferleistung zu kreieren, die Eigenmotivation hochzutreiben und das Können so zu formen, dass die Teilnehmer die Fähigkeit und Lust haben loszulegen.

Und dann laufen die Mitarbeiter los, wie jemand, der ohne vorheriges Training bei einem Marathon startet… und sie kommen an ihre Grenzen. Weil der Muskel noch nicht trainiert ist. Wie bei jeder neuen Gewohnheit, muss sich das System, der Körper, der Geist erstmal an die neue Vorgehensweise gewöhnen.

Und genau dabei sind Sie als Führungskraft gefragt.

Es geht darum, nachzusteuern, gemeinsam auszuwerten, feinzuzeichnen, zu erinnern, zu reflektieren. Das ist Führung!

Nicht nur Prozesse zu steuern, Zahlen der Zielerreichung auszuwerten, sondern nah am Menschen zu sein und zu bleiben. Denn Gott sei Dank sind es heute noch Menschen, die den Umsatz für ein Unternehmen bringen.

Doch wie soll eine Führungskraft für Nachhaltigkeit sorgen, wenn sie selbst nie diesen Trainer und seinen Stil erfahren hat, nie in dem Workshop war, mit genau diesen Inhalten? Nie den Grundgedanken des Workshop-Konzepts selbst erlebt hat?

Ich höre schon regelrecht die empörte Aussage:

„Ich habe doch auch noch andere Dinge zu tun, statt nur in Workshops zu sitzen.“

Richtig! Da gebe ich Ihnen vollkommen recht! Das sollen Sie auch gar nicht tun! Bloß nicht!

Ich empfehle an der Stelle lieber weniger Trainings und Workshops zu buchen und dafür aber qualitativ hochwertige, die auf mehr abzielen als nur eine 1-tägige Wissensvermittlung. Solche, die Ihnen selbst noch AHA-Momente schaffen.

Wenn die Nachhaltigkeit gesichert ist, haben sich viele Zusatz- oder Wiederholungstrainings von alleine erübrigt. Denn Wissen ist noch lange nicht Können.

Investieren Sie daher lieber in das Können Ihrer Mitarbeiter und nehmen Sie sich im Vorfeld selbst die Zeit, ausgewählte Workshops zu besuchen. Und nehmen Sie sich im Anschluss die Zeit um Ihr Team nachzuhalten. Ich wünsche Ihnen allem voran viel Freude damit!

„Nein, ich beginne nicht mit dem Team, ich beginne mit der Führungskraft!“

Ihr André Fritsch

P.S.: Wie sichern Sie die Nachhaltigkeit Ihrer Trainings und die Ihrer Mitarbeiter?

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Ja, das möchte ich haben.

2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Erklärt heißt noch nicht verstanden. Verstanden heißt noch nicht eingeführt und eingeführt heißt noch nicht beibehalten. Diese kausale Kette zeigt, dass es einen langen Atem braucht bis sich neue Lösungsansätze praxiswirksam umgesetzt haben.

    Schnelle Entscheidungen haben oft ihre Basis in einem umfangreichen Erfahrungsschatz. Je größer dieser Schatz ist desto erfolgreicher sind schnelle kritische Entscheidungen.
    Um Bereich zukunftsgestaltender Entscheidungen verlässt man aber diesen Pool sicherer Erfahrungen und betritt einen „Raum“ neuer unbekannter Wagnisse. Also muss der Manager dazu gebracht werden diese „Räume“ auch betreten zu wollen und nicht vom sicheren „Flur“ hineinzuschauen. Es braucht also als erstes Neugierde und Mut auszubilden.

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